Die Akte Krämer
Die Tierfreunde e.V. kämpften jahrelang gegen die Zustände in der Schweinemast Krämer. Nun ist die Schweinemast außer Betrieb. |
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Siegen, Mai 2008: „Schweinemast Krämer schließen“ forderte „die Tierfreunde e.V.“ im Jahr 2004, nachdem Aktive des Vereins verheerende Zustände in einer Schweinemastanlage im Kreis Siegen-Wittgenstein aufgedeckt hatten. Über Jahre hinweg wurden die untragbaren Haltungsbedingungen in der Schweinemastanlage Krämer mit Videodokumentation belegt: die Mastschweine lebten in Dunkelhaft, ihnen stand kein Trinkwasser zur Verfügung, die Spaltenböden waren ausgetreten und stellten enorme Verletzungsgefahr da, die komplette Anlage war stark verdreckt, Güllegruben liefen mitunter über, so dass die Schweine im eigenen Kot standen und lagen, es gab immer Tiere mit offenen Wunden, Bissverletzungen, Gelenksentzündungen, verletzte und kranke Tiere wurden nicht oder nur ungenügend tierärztlich versorgt.
Das zuständige Veterinäramt hatte die Vorwürfe offiziell gegenüber der Öffentlichkeit immer wieder heruntergespielt, die Anlage wurde als „befriedigend“ eingestuft. Vollständige Akteneinsicht wurde dem Verein „Die Tierfreunde e.V.“ als Anzeigeerstatter nie gewährt. Erst 2008 brachten die über Dritte an den Verein gelangten Unterlagen des Veterinäramtes Klarheit: die Feststellungen des Veterinäramtes waren deckungsgleich mit denen der Anzeigen, stellten aber nach Auffassung des Veterinäramtes lediglich „geringfügige Mängel“ dar. |
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Das Veterinäramt stellte laut Akten unter anderem fest [Zitat]: „Zum Problem Hochstand der Gülle gibt Herr Krämer an, dass es vereinzelt (2-3mal im Jahr) zu Verstopfungen in der Abflussanlage und somit kurzzeitig zu höheren Gülleständen kommt, wobei das Niveau der Spalten überschritten werden kann. Dies würde aber immer direkt behoben.“ Weiter [Zitat]: „Eine tierärztliche Betreuung findet nicht statt (finanzielle Gründe), ein Bestandsbuch wird nicht geführt, Desinfektionswannen im Eingangsbereich stehen zu diesem Zeitpunkt nicht zur Verfügung. Die Selbsttränken im unteren Stall sind abgedreht, da aufgrund des Eindrucks des Herrn Krämer sen. diese nicht angenommen/kotverschmutzt werden. Nippeltränken führten zu Spielverhalten und dadurch bedingtem Gülleanfall durch ablaufendes Wasser.“ Weiter gab es „Keine Beschäftigungsmöglichkeiten in den Buchten“. |
Das Veterinäramt erließ daraufhin Auflagen zu Tränkewasserversorgung, Hygiene, Spaltenböden, tierärztlichen Versorgung von Schweinen, Stallklima, Beleuchtung, Beschäftigungsmöglichkeiten, Desinfektionseinrichtungen und ordnet an, dass ein Tier wegen multiplen Abszessen umgehend schmerzlos getötet werden muss.
Auch Kreisdirektor Bender sah offiziell keinen Handlungsbedarf: „Das Veterinäramt und weitere Sachverständige (z.B. die Bezirksregierung und das Ministerium) haben in dem Betrieb nur geringfügige Mängel festgestellt. Zu keinem Zeitpunkt waren diese Mängel so schwerwiegend, dass Ordnungswidrigkeitsverfahren oder Strafverfahren eingeleitet werden mussten.“ Zu den Aufnahmen, welche die verheerenden Zustände in der Schweinemastanlage dokumentieren, schrieb Bender: „Kontrollen des kompletten Betriebes durch Fachleute sind wesentlich aussagekräftiger als im Rahmen von Einbrüchen unter ungünstigen Bedingungen (Dunkelheit, Nahaufnahmen mit künstlichem Licht) angefertigte Einzelaufnahmen oder Filmausschnitte, die nicht sicher in allen Teilen zeitlich und örtlich (Schnitte) zuzuordnen sind. Diese regelmäßig auftauchenden Aufnahmen oder Filme, die in dem Betrieb entstanden sein sollen, stellen zudem keinen repräsentativen Betriebsüberblick dar. Es werden bevorzugt angebliche Missstände, wie z.B. verletzte Tiere, gezeigt.“ Bender führte weiter aus: „Es existieren hunderte (!) Betriebe der gleichen Haltungsart in Deutschland, welche die häufigste Haltungsart darstellt. … Wer andere Betriebe mit einer artgerechten Tierhaltung will, muss die rechtlichen Vorgaben ändern“. |
Die – wie auch vom Kreisdirektor – als „nicht artgerecht“ eingestufte Schweinehaltung im Betrieb Krämer wurde nach jahrelangen Bemühungen von „die Tierfreunde e.V.“ im Jahr 2007 endlich eingestellt. Dass zu diesem erfreulichen Ergebnis letztendlich vielleicht nur die Tatsache führte, dass die Schweinemast in diesem Betrieb nach dem Verbot der Speiseresteverfütterung unrentabel geworden war, ist durchaus möglich. Dort, wo früher Hunderte von Schweinen jährlich litten, lagern nun die Speisereste des Entsorgungsunternehmens Krämer, mit welchen nicht mehr Schweine, sondern eine Biogasanlage gefüttert wird. |
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