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34.000 tote Vögel

800 kranke Puten starben, über 34.000 gesunde Gänse, Hühner und andere Vögel vom staatlichen Seuchenkommando hingerichtet.

Gesunde Tiere werden in Mutzschen zur Tötung abgeholt

April 2006: Nachdem im größten Geflügelzuchtbetrieb Sachsens bei Mutzschen im Muldentalkreis in einem Putenstall erst wenige, dann rasant viele Tiere starben, daraufhin Proben im Friedrich-Löffler-Institut, dem Referenzlabor für Vogelgrippe auf der Insel Riems, untersucht wurden stand am 05.04.2006 fest: H5N1 hat das deutsche Nutzgeflügel erreicht, von dem bisher in Deutschland nur Wildvögel betroffen waren.


Eskildsen Firmenschild

Getroffen hat die Vogelgrippe einen von mehreren Standorten der Eskildsen GmbH mit mehr als 16.000 Gänsen, Hühnern und Puten in Mutzschen/Wermsdorf – wie die Infektion stattfinden konnte, ist völlig unklar. Zwar hat Eskildsen, sehr großer Erzeuger von Freilandgänsen mit einem Jahresumsatz von 25 Millionen Euro, eine Ausnahmegenehmigung von der Aufstallungspflicht für seine Zuchtgänse, die betroffenen Puten jedoch lebten „sicher“ im Stall, abgeschirmt von eventuell virustragenden Wildvogelpopulationen. „Eventuell“, weil in ganz Sachsen trotz angestrengtem Wildvogelmonitoring bisher kein einziger toter Wildvogel positiv auf Vogelgrippeviren getestet wurde, dieser Infektionsweg also ausgeschlossen werden kann.


Zeit, sich grundsätzliche Gedanken zu machen, ob die Bedingungen von Personen-, Tier-, Fahrzeug-, Gülle- und Futtermittelverkehr, allgemeinen (Un-) Hygienezuständen in den Betrieben und das System unserer industriellen Tierhaltung nicht gerade danach schreien, als Ursache allen Übels, aller Seuchen und „Lebensmittel“- Skandale identifiziert zu werden. Kann es noch schlimmer kommen als jetzt, wo wir nach Ekelfleisch und Gammelwild gleichzeitig Vogelgrippe, Schweinepest und Nikotin im deutschen Frühstücksei haben?

Auf der Suche nach der Ursache für H5N1 im Putenstall stieß man am Tag der Bestätigung des Verdachtsfalles in Mutzschen auf einen toten Schwan und eine tote Ente am Stausee in direkter Nähe zur Eskildsen GmbH. Trotz unklarer Todesursache hieß es zunächst wie selbstverständlich: die Wildvögel haben die Puten infiziert. Auch wenn dieser Weg faktisch unmöglich ist in einer von der Außenwelt abgeschirmten Tierhaltung mit normalen Hygienemaßnahmen, wäre dies eine bequeme Erklärung gewesen. Jedoch: die beiden in Mutzschen tot aufgefundenen Wildvögel wurden beide negativ getestet. Wären sie positiv gewesen, hätte man auch zu dem logischen Schluss kommen können, dass nicht Wildvögel Nutzvögel infizieren, sondern umgekehrt. Ein Horrorszenario drängt sich auf – stellen wir uns nur die Folgen vor, wenn Vogelkot mitsamt Viren auf Feldern aufgebracht wird oder getrockneter Vogelkot als „Naturdünger“ auf dem Weltmarkt landet. Vogelgrippeviren bleiben in Gülle über Wochen und Monate hinweg infektiös, gleiches gilt z.B. für den Erreger der Schweinepest und viele andere. Von Rechts wegen gehörten sämtliche Ausscheidungen aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung aus Seuchenschutzgründen umgehend in betriebseigenen Verbrennungsanlagen entsorgt. Stattdessen beprobt man hochwissenschaftlich und akribisch jede verstorbene Möwe als gefährlich verdächtigen Virusverbreiter. Frei nach dem Motto: was nicht sein darf, kann nicht sein.

Der Betrieb von Lorenz Eskildsen in Mutzschen wurde aufgrund der teilweisen Befreiung von der wegen der Vogelgrippe erlassenen Aufstallungspflicht für Zuchtgänse streng veterinärmedizinisch überwacht und wöchentlich kontrolliert. Eine Einschleppung des Virus hat dies nicht verhindern können, ebenso wenig wie die Stallpflicht und die „klinisch reine“ Haltung der Puten in einem geschlossenen Stall. Fragen wir uns, was wäre wenn alle Geflügelbetriebe und verstorbene Tiere - die normaler Weise wortlos in der Kadavertonne landen und in der Tierkörperbeseitigungsanstalt verarbeitet werden - ständig beprobt würden?

totes Huhn


Die deutsche Virenabwehr: Pharmakonzerne kassieren Milliarden für sinnlose Medikamente, indem die Regierung Medikamente für den Ernstfall „Pandemie“ bevorratet, Geflügel auf immer und ewig einsperren, bürokratisch Sperr- und Schutzzonen einrichten und fleißig keulen, egal ob „verdächtiges“ Vogelgrippe-Geflügel oder Schweine in der Nähe von Schweinepest-Schweinen. Wollen wir keulen und entschädigen, bis die Kassen leer sind? Keulen statt impfen, bis alle Tiere vernichtet sind ?


vor dem Schlachthof wird der LKW desinfiziert

In Mutzschen wurden gerade 16.000 Vögel getötet. Nicht nur die betroffenen Puten, sondern auch die gesunden Gänse und Hühner wurden auf staatliche Anordnung vernichtet: vergast mittels Kohlendioxid im abgeriegelten Stall oder wahlweise gekeult mit modernster mobiler Stromtötungsmaschine. Modernstes deutsches Tötungsgerät versagte jedoch bei seinem ersten Einsatz, so dass die Eskildsen-Gänse letztendlich zum Schlachthof in Mutzschen befördert werden mussten.


Auch allen gesunden Vögeln im Sperrgebiet mit drei-Kilometer-Radius stand die „prophylaktische“ Tötung bevor: weitere 14.000 Tote sollten es werden. Von Seuchenkommandos unter Polizeischutz im gesamten Sperrbezirk eingesammelt und zur gemeinschaftlichen Vernichtung in den Schlachthof verbracht, um weitere Pannen wie versagendes technisches Tötungs-Gerät oder sich verzweifelt wehrende fassungslose Geflügelhalter bei der Keulung von vorneherein auszuschließen. Von den im Sperrbezirk gemeldeten Vögeln wurden letztendlich 7000 Tiere getötet, der Rest war nicht mehr auffindbar oder saß in Gestalt ganz zufällig entflogener Brieftauben unerreichbar für das Seuchenkommando auf den Hausdächern.

Was mit den Tieren in den anderen Betrieben des Großerzeugers Eskildsen und in den von ihm belieferten Betrieben geschieht, ob sie vom sinnlosen Töten verschont bleiben? Kommt jemand auf die Idee, sie z.B. wegen stattgefundenem Tier-, Personen- oder Fahrzeugverkehr als „Kontaktbetriebe“ auszuweisen, sind Hunderttausende von Tieren schnell so gut wie tot. Nicht fraglich hingegen, dass wir mit H5N1 sowieso unter den Gegebenheiten unserer versagenden Seuchenabwehr erst Recht noch lange Jahre leben werden müssen. Das Einsperren und zehntausendfache Töten von Geflügel ist nicht das Mittel der Wahl im Kampf gegen die Vogelgrippe, dies sollte auch Minister Seehofer spätestens jetzt begriffen haben. Doch er und sein nationaler Krisenstab Tierseuchenbekämpfung wollen offenbar alles daran setzen, die Stallpflicht für Geflügel solange aufrecht zu erhalten, bis es keine Vogelgrippeviren mehr gibt. In Sachsen wurden nun sämtliche Ausnahmegenehmigungen von der Stallpflicht aufgehoben, die eigentlich im April endende Aufstallungspflicht in Deutschland wird mit Sicherheit auf unbestimmte Zeit verlängert.


Doch die Gefahr der Verbreitung von H5N1 durch Wildvögel ist nichts im Vergleich zu dem, was die Geflügelindustrie den Tieren und sich selbst an Schaden zufügen kann: die Haltung von vielen Tausend Tieren an einem Ort, das Geflügelgeschäft beherrscht von einigen wenigen großen deutschlandweit agierenden Vogel-Multis mit einem engen Geflecht von Brütereien, Mastanlagen, Futterhändlern und Transportunternehmen birgt das weitaus größere Risiko. 11.000 Jungputen in NRW wurden am 09.04.2006 im Namen der Seuchenabwehr „vorsorglich“ vernichtet: sie kamen nicht grade aus Mutzschener Eskildsen-Zucht, aber ein leerer Tiertransporter mit unklarem Desinfektionsstatus aus Mutzschen, der den Hof bei Warendorf in NRW befuhr genügte, um das sofortige Todesurteil über die Jungputen zu fällen: Vergasung mit Kohlendioxid im Vogelgrippe- Vernichtungscontainer.

Eine der vielen Mega-Anlagen


Impfungen von Vögeln gegen Vogelgrippe lehnt der Landwirtschaftsminister Seehofer ebenso wie der Bauernverband-Chef Sonnleitner vehement ab: Handelsbeschränkungen der EU für geimpftes Geflügel will man nicht in Kauf nehmen. Die millionenfache Impfung von Masthühnern ist nicht praktikabel, denn die kurze vierwöchige Lebensdauer reicht nicht für eine Immunisierung: bis Impfschutz einsetzt, sind die Tiere längst verbraten. Die offizielle Begründung für das Nicht-Impfen: ein fehlender Marker-Impfstoff, der eine Unterscheidung zwischen geimpften und infizierten Tieren ermöglicht. H5N1 gibt es in Europa seit 1959 – Zeit genug wäre wahrhaftig gewesen, einen zuverlässigen Impfstoff zu entwickeln. Keulen und Nicht-Impfen ist zum Verhängnis der Tiere die wirtschaftlich günstigere Variante.

Die wirtschaftlichen Verluste durch den Verzicht der Verbraucher auf Geflügelprodukte und durch Seuchen nachfolgende Handelsrestriktionen kann unsere Wirtschaft kaum verkraften: allein der Schaden durch die Vogelgrippe wird bisher auf 150 Millionen Euro geschätzt, und schon jetzt sind Milliardenschäden abzusehen. So wird man uns weiter wenig glaubwürdig versichern, dass trotz aller Panikstimmung „keine Gefährdung des Verbrauchers beim Verzehr von Geflügelprodukten“ besteht. Unpassend dazu die Meldung, dass bereits in Deutschlands Kühltheken liegendes Eskildsen-Geflügel aus dem Handel wieder zurückgeholt werden soll, um es „unschädlich zu beseitigen“. Und ob der gute Rat an den Verbraucher, vorsichtshalber die Schalen seiner Ostereier vor dem österlichen Bastelspaß zu reinigen um die Vogelgrippeviren abzuwaschen, dazu beiträgt, das Vertrauen in die politisch Verantwortlichen und die Landwirtschaft zu stärken?

Tanja Günther


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