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Eine kranke Kuh, ein Schweinemäster
und zwei Tierfreunde im Schlachthof
Ein Tag im September: Wir wollten nur eine Kontrolle
bei einer kranken Kuh machen, auf die uns eine Tierfreundin aufmerksam
gemacht hatte. Es war Mittag, die turnusmäßig weitergerückte
"Weidefläche" der Kühe direkt am Siegufer machte
keinen guten Eindruck, Schlamm, Müll, Matsch, der Bewuchs mit
japanischem Springkraut und Riesenbärenklau kaum, was man "Weide"
nennen kann. Die Kühe befanden sich am Ende dieser Schlammschlacht
zu unserer Freude auf einem Stück, welches noch halbwegs grün
war. Aber besagte Kuh war wirklich krank, lag mager abgesondert
von der Herde, konnte nur schwer aufstehen, wirkte apathisch und
kraftlos, atmete schwer, speichelte.
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Wir befanden, die Sache ans Veterinäramt weiterzugeben, da
ein freundliches Gespräch mit demjenigen, der unserer Kenntnis
nach der Besitzer war, zu nichts außer Ärger führen
würde, denn zufällig sollte der Besitzer der kranken Kuh
"unser" Schweinemäster sein, der neben der Schweinemast
auch eine größere Zahl Kühe hält, was uns nicht
neu war (hier
Details zum Schweinemastskandal).
Schon wieder auf dem Heimweg beschlossen wir, noch mal eben bei
der Schweinemastanlage vorbeizufahren, da wir ja nun einmal in der
Nähe waren. Warum, wussten wir selbst nicht so genau, aber
vielleicht gab es ja interessante Neuigkeiten. Egal, was wir uns
erhofft hatten, die Schweine konnten wir schon von weitem schreien
hören, und leider stand auch kein Bagger mit Abrissbirne dort,
der die Mastanlage für alle Zeiten platt und dem Erdboden gleich
machen würde.
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Aber des Schweinemästers grüne "Suppenkutsche",
ein selbstgebasteltes Tankfahrzeug, parkte mit ebenso grünem
Planenhänger rückwärts vorm Tor, hinter dem sich
die Schweine befinden. Dass er keine Kantinenreste, also "Futter"
anliefert, war uns spätestens klar, als der Anhänger bebte
und wir unter der Plane Schweine sahen. Als der Schweinemäster
mit seinem Benz vorfuhr und bei unserem Anblick etwas säuerlich
dreinschaute, verzogen wir uns diskret und dachten nach. Was macht
er mit den Schweinen? Während unserer Überlegung, ob und
woher und warum er neue große Schweine einstallt, wurden wir
eines besseren belehrt, denn er fuhr zügig mit seiner mit Schweinen
beladenen Suppenkutsche vom Gelände weg. Einer von uns beiden
sagte nur "fahr und häng Dich dran", denn eine Verfolgung
konnte nur neue Erkenntnisse liefern, wir wollten wissen, was nun
mit den Schweinen passiert, und die Verfolgung des Herrn Schweinemästers
auf öffentlichen Straßen hatte uns bisher niemand verboten.
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Zügig fuhr er auf nicht ganz legalem Wege auf die Autobahnraststätte
und ab auf die Autobahn Richtung Süden. Spätestens da
war dem Schweinemäster wohl klar, dass er und seine Schweine,
mit 60Kmh unterwegs und wir hinten dran, nicht alleine unterwegs
waren. Wohin auch immer er unterwegs war, wir konnten ihn nicht
bis nach Italien verfolgen, also setzten wir uns ein Limit, denn
unter anderem war eine unserer Blasen schon seit geraumer Zeit kurz
vorm Platzen, dafür der Tank vom Auto bald leer, und am Limit
in Haiger-Burbach angekommen, wir verabschiedeten uns ungern und
setzten den Blinker, fuhr auch unser Schweinemäster plötzlich
von der Autobahn.
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Unter diesen Umständen wollten wir es dann doch wissen, volle
Blase hin oder her, also weiter hinterher. Er hielt mal kurz auf
einem Parkplatz an, wir auch, er redete mit einem LKW-Fahrer, der
schon ein Stück hinter uns allen hergefahren war, als es weiter
ging, bog dieser jedoch hinter uns ab, Richtung eines von weitem
stinkenden landwirtschaftlichen Betriebes. Immer tiefer in den Westerwald,
das Limit der Blase schon lange überschritten, kurz vorm Aufgeben.
Wir, das heißt, die Blase, mussten dann aufgeben und in den
Wald. Und weg war der Schweinemäster mit den Schweinen, worüber
er wahrscheinlich sehr erfreut war. Nach ein paar Minuten Suche
entdeckten wir ihn auf einer Nebenstraße Richtung Montabaur
wieder, er näherte sich offenbar seinem Ziel und wir uns ihm.
Er fuhr ins Industriegebiet nach Montabaur, und wir fragten uns,
was das sollte. Wir fragten uns nicht mehr, als wir die grüne
Suppenkutsche an der Straße parkend wiederfanden, parkend
hinter einem dreistöckigen Tiertransporter mit Hänger,
uns entgegen kommend ein "Frischfleisch"-LKW.
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Als wir die Schweine im Schlachthof schreien hörten, wünschten
wir uns, wir hätten ihn nicht wiedergefunden. Der Schweinemäster
war ziemlich irritiert, dass wir nun auf einmal wieder da waren,
noch dazu mit laufender Kamera, jedoch "diskret" hinterm
Zaun. Uns reichte, was wir von dort sehen und hören mussten,
ein entsetzlicher Lärm, eine Mischung aus den Schreien der
Schweine, den Schreien und mehrsprachigen Flüchen derjenigen,
welche die Tiere der Betäubung zuführten, Sägen,
der Brennofen, lautes Kettengerassel des Fließbandes, fröhlich
pfeifende Schlachter, fröhlich pfeifend während sie den
an einem Bein kopfüber aufgehängten zappelnden und sich
windenden Tieren die Kehle durchschneiden.
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Die erste Begegnung gab es nach einigen Minuten mit einem missmutigen
Tiertransporteur, der alarmierte sofort den "Chef". Dieser
jedoch war keinesfalls missmutig, sondern kam überraschend
freundlich auf uns zu. Wir sagten irgendwas von "Filmen"
und warum und wieso, er sagte "Ach, Sie kommen aus Siegen?
Was für ein Zufall, der Kollege da mit den Schweinen auch!".
Genau deshalb waren wir hier.
Freundlich genehmigte uns der "Chef", das Gelände
zu betreten und die Schlachtung durch die Fenster zu filmen, lächelnd:
"Wir haben ja nichts zu verbergen". Herein dürften
wir leider ohne EU-Gesundheitszeugnis nicht, wollten wir auch nicht.
Wir filmten; bis wir einen blutbeschmierten Kittel vor der Linse
hatten, den des "Oberschlachters", der ebenfalls wissen
wollte, was wir da machen. "Filmen...".
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Die Frage, ob wir Fleisch essen, beantworten wir nicht zu seiner
Zufriedenheit mit "nein", sehr befremdliche Menschen,
die da filmen, wissen nicht das Handwerk des Metzgers zu würdigen,
waren wohl seine Gedankengänge. Zu unserem Gespräch kam
eine - ebenfalls blutbeschmierte - Frau hinzu, wahrscheinlich die
Veterinärin, denn sie war vorher dabei, die Schweinehälften
abzustempeln. Auch sie: "Wir haben nichts zu verbergen".
Während wir "unseren" Schweinemäster beim Abladen
seiner Schweine filmten, der verwirrt bis irritiert seine Schweine
geduldig aus dem Anhänger streichelte, was wir an seiner Stelle
aufgrund der laufenden Kamera und unserer Anwesenheit auch getan
hätten, kam die Frau wieder, wir nahmen an, sie hat nun die
Nase voll von unserer Filmerei. Nein, ganz im Gegenteil. "Nehmen
Sie sich `nen Overall und was für`n Kopf und die Füße
und kommen Sie rein."
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Wir hofften, es sei nicht ihr Ernst, außerdem hatten wir
ja kein Gesundheitszeugnis, was ihr aber völlig egal war. Und
noch mal: "Nehmen Sie sich `nen Overall und was für`n
Kopf und die Füße und kommen Sie rein." Während
wir dabei waren, zu flüchten, zu weinen, uns zu übergeben,
was an den Tatsachen jedoch auch nichts geändert hätte,
überzeugten wir uns gegenseitig, dass keiner von uns allein
da rein gehen könne, und so gingen wir gemeinsam, die letzen
Abwehrmechanismen aktivierend, um es aushalten zu können. Wir
bekamen weiße Overalls, "was für`n Kopf" in
Form einer McDonalds-Mütze, Gummischuhe und fanden uns im Schlachthof,
stehend in noch warmem Blut, zwischen den hängenden halbierten
Leichen der Schweine, die vor ein paar Minuten noch lebend am anderen
Ende des Schlachthofes gestanden hatten, wieder. Der letzte gute
Rat der Frau: "Sehen Sie zu, dass Sie keinem ins Messer laufen".
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Wir suchten uns einen Standort, von wo wir ohne in größeren
Blutlachen und möglichst weit weg von Messern und Kettensägen
stehend filmen konnten, begleitet vom Oberschlachter. Der, gut gelaunt
und sehr gesprächig: "Wissen Sie, ich kann ja überhaupt
kein Blut sehen, wenn sich jemand in den Finger schneidet oder so,
furchtbar".
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Wir waren nun dabei, während die Schweine "unseres"
Schweinemästers geschlachtet wurden. Links neben uns befanden
sich die lebenden Schweine, die lebenden Schweine mit dem eigenen
Tod vor Augen, denn sie mussten von dort mit ansehen, wie ihre toten
Artgenossen zerlegt wurden. Jedes mal, wenn eines von ihnen der
elektrischen Betäubung zugeführt wurde, alle Schweine
ängstlich schreiend. Der Oberschlachter zur Betäubung:
"Gas lehnen wir ab, das verknüpft man ja auch immer so
mit Unangenehmem, Sie wissen schon...- wir betäuben lieber
mit Strom, da kann man auch besser eingreifen, wenn es mal nicht
auf Anhieb klappt, wohingegen bei Gas, das sind schlimme Minuten."
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Betäubt, durch eine Klappe in den Schlachthof fallend, kamen
dann die Tiere "unseres" Schweinemästers vor unseren
Augen an. Einige sich noch sehr stark windende Tiere wurden mit
einer Stromzange nachbetäubt. Schwein für Schwein am linken
Hinterbein kopfüber am Fließband aufgehängt, auch
die zweimal Betäubten sich windend und zappelnd, manche öffneten
den Mund, stumme Schreie, bekamen sie bei lebendigem Leib das Schlachtermesser
in den Hals gerammt, die Kehlen aufgeschnitten, jedes Mal ergoss
sich ein Schwall von Blut auf den Schlachter, der sich kurz mit
einem Wasserschlauch das warme Blut von der Schürze spritzte,
während die hängenden Schweine mit ihren aufgeschlitzten
Hälsen, immer noch zappelnd, in eine riesige Wanne ausbluteten.
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"Alles nur Nervenzucken", so der Oberschlachter, während
er Vorträge hielt über seine Arbeit und Fleisch. Die viele
schwere Arbeit im Schlachthof, die ja keiner zu schätzen weiß.
Die armen Bauern und die armen Schlachter, die aufgrund der schlechten
Fleischpreise so leiden. "Man braucht Fleisch", er ist
davon überzeugt und glaubt das wirklich, obwohl doch sogar
grade zwei gut aussehende "lebende Beweise" dafür,
dass er irrt, mit einer Kamera in der Hand neben ihm stehen. "Stellen
Sie sich mal vor, ohne Fleisch wäre doch niemand in der Lage,
so schwere Arbeit zu tun wie die der Bauern oder der Metzger hier
im Schlachthof".
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Nach dem Ausbluten kamen die Schweine zum säubern und entborsten
in einen riesigen Ofen, aus dem oben die Flammen herausschlugen,
glitschten jeweils zu zweit dort wieder heraus, bekamen die letzten
Borsten mit Messern weggeschabt, die Ohren abgeschnitten, neben
dem Ofen der Boden lag voller kleinster abgeschnittener Schweineteile.
Dann wieder am Fließband aufgehängt, wurden den Schweinen
die Bäuche aufgeschlitzt, die noch warmen dampfenden inneren
Organe und Därme herausgerissen, um danach von Männern
mit Massenmördergesichtern und Kettensäge in zwei Hälften
zersägt zu werden.
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Am Ende die Fleischbeschau, Stempel drauf, fertig ist das Fleisch.
O-Ton des Oberschlachters, der die ganze Zeit, in diesem furchtbaren
Schlachtfeld stehend, über Gott und die Welt plauderte: "Kriege,
wo Unschuldige verstümmelt und getötet werden, sind grausam,
unnötig und unerträglich."
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Beim Herausgehen lieferten wir unsere Overalls und Hüte wieder
im Büro bei zwei Damen ab. Denen fiel beim Anblick von uns
"Tierschützern" nichts besseres ein, als festzustellen
"Was heute in den Altenheimen abgeht, das ist grausam. Und
was man Kindern alles antut, furchtbar!". Und der Schlachthof?
"Ich kann das nicht ansehen", so die eine. Einig waren
sich die beiden Fleischesserinnen, dass man noch nie drin war und
auch niemals da rein gehen will. "Wir essen unser Fleisch und
das da geht uns nichts an". Ignoranz tötet - und wir können
uns sicher sein, dass diesen beiden im Schlachthof tatsächlich
schlagartig der Appetit auf Fleisch vergehen würde, wenn Sie
endlich ihre Augen und ihre Herzen öffnen würden.
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Etwa 400 Schweine werden täglich in diesem Schlachthof "verarbeitet".
Etwa 60.000 sinnlos getötete und zerstückelte Schweine jedes
Jahr alleine in diesem Schlachthof. Unvorstellbare 46 Millionen
Schweine werden jedes Jahr in deutschen Schlachthöfen geschlachtet.
46 Millionen Schweine - Schweine, die bis zu ihrem schrecklichen
Ende ihr ganzes Leben nur gelitten haben. Als kleine Ferkel ihren
Müttern weggenommen, werden ihnen unter Höllenschmerzen
von Menschen die Schwänze abgeschnitten, die Zähne abgebrochen,
die Ohren durchstanzt, sie werden betäubungslos kastriert,
und verstümmelt und zurechtgeschnitten für die Fleischindustrie
geht ihr Leiden weiter, eingepfercht in dunklen, dreckigen Kerkern,
ein Leben auf Spaltenböden in den eigenen Exkrementen, ohne
Beschäftigung.
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Dadurch verrückt geworden verstümmeln sie sich gegenseitig
vor Stress und Beschäftigungslosigkeit, sie sehen niemals Sonne,
niemals Regen, außer in den fünf Minuten des Wartens
auf den Tod vorm Schlachthof. Sie haben bis zu ihrem Tod nie den
Rüssel in die Erde wühlen können, niemals auf einem
Ast herumgekaut, niemals ein Nest bauen dürfen, niemals im
Schlamm gesuhlt. Um am Ende dieses "Lebens" kopfüber
aufgehängt bei lebendigem Leibe den Hals aufgeschlitzt zu bekommen
und zu Fleisch verarbeitet zu werden. Ein Krieg gegen Unschuldige.
Grausam, unnötig und unerträglich.
Linktipp:
Was kann ich eigentlich noch essen?
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Text:
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Tanja Günther
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Bilder:
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Tanja Günther, Jürgen Foß
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