Tierqualsaison hat begonnen
Kleintiermärkte öffnen ihre Pforten
Irmgarteichen 21.03.2004: Wie jedes Jahr
um diese Zeit beginnt die Saison der Kleintier- und Bauernmärkte.
Auf dem wohl beliebtesten Kleintiermarkt im Siegerland in Irmgarteichen
fand am Sonntag das erste mal in diesem Jahr dieses fragwürdige
Schauspiel statt. Immer mehr Tiere werden dort zur Schau gestellt
und zum Verkauf angeboten. Grund genug für uns dieser unsäglichen
Veranstaltung einen Besuch abzustatten. Ein Tierqualmarkt, der seines
gleichen sucht.
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An fast jedem Tierstand sah man Meerschweinchen,
die sich verzweifelt bei nasskaltem Klima zusammendrängten.
Kein geschützter Bereich, keine Rückzugsmöglichkeit,
den ganzen Tag Wind, Wetter und den lärmenden Besuchern schutzlos
ausgesetzt. "Schweine 3,90 €" las man an den Käfigen
oder Pappkartons. "Och Papa, kauf mir ein Meerschweinchen";
und schon wird das Tier seinen Geschwistern entrissen und verschwindet
in einer 10 * 10 cm kleinen Pappschachtel, um anschließend
als Kinderspielzeug missbraucht zu werden.
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Wie lange wird es dauern, bis das Meerschweinchen
tot gespielt wird oder im Tierheim landet? Wahrscheinlich ist beides
besser, als lebenslänglich allein in einem winzigen Käfig
in einer Ecke des Kinderzimmers dahin zu vegetieren. Wir sehen Vater
und Tochter mit dem "3,90 € - Tier" davon ziehen
und sind fassungslos.
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Vor den Geflügelwagen sind die obligatorischen
1 qm Käfige aufgebaut, in denen jeweils 15-20 Hühner eng
gedrängt nicht wissen, was ihnen passiert. In einer Legebatterie
ist nicht mehr Platz. Siegerländer Möchtegernnaturburschen
lassen sich ein solches Tier in eine kleine Pappschachtel zerren.
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Zuvor wahllos brutal herausgegriffen hält
der Verkäufer dem Interessenten das Tier vor die Nase: "Nö,
das andere daneben ist besser" und schon wird es wieder in
den Käfig geworfen, wie man einen Ball in eine Kiste wirft
und das nächste, vermeintlich dickere Tiere herausgezerrt.
Es schreit noch kurz, dann wird es dunkel auf einem unbestimmten
Weg in einem Pappkarton.
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Im Hintergrund stehen niedrige Kisten aus welchen
Federn, Flügel und Hühnerköpfe quellen. Nein keine
Schlachtreste, das ist der lebende Nachschub, sobald sich die Käfige
im vorderen Bereich im Laufe des Tages leeren. So dicht gedrängt,
dass keine Maus mehr darin Platz hätte; so niedrig, dass die
Tiere nicht aufrecht stehen können. Auf die Frage, wie man
den Tieren den so etwas antun könne, sagte der Tierquäler
hinter dem Tresen nur: "Die sind das doch gewohnt; die sind
doch schon in diesen Kisten hierher gekommen".
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Am gleichen Stand ein kleiner, offenbar leerer
Käfig mit der Aufschrift: "Käfig 75 €".
Tatsächlich ist nichts an Einrichtung oder ähnlichem zu
sehen (Bild rechts; Käfig oben). Bei näherer Betrachtung
entdecken wir ein Frettchen, welches sich apathisch am Boden zusammenkauert;
in einem völligen nackten Käfig!
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Wir gehen weiter und fallen über eine Art
Schuhputzkasten oder Werkzeugkiste, dachten wir: Am Boden steht
eine Holzkiste, etwa 40 cm lang, 20 cm hoch um 20 cm tief; oben
mit einem Tragegriff. Darin 6 junge Kaninchen. Wir starrten darauf
und fragten uns, ob wir das alles nur träumten. Ein Mann kam
freudestrahlend auf uns zu, nahm das Gitter vor dieser Kiste weg
und meinte: "Das ist die Rasse soundso, wenn ihr sie alle auf
einmal nehmt, gebe ich sie für 20 € mit. Ich habe ja noch
den zweiten Wurf dabei."
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Er drehte die Kiste um und uns schaute tatsächlich
ein zweiter Wurf Kaninchen aus der gleichen Kiste entgegen, die
in der Mitte durch ein Brett getrennt war. Auf seine Tierqual angesprochen
kam das Standardargument: "Kümmert euch erst einmal um
die Kinder"; die Frage, was er denn für Kinder tue blieb
unbeantwortet. Er wetterte stattdessen weiter: "Demnächst
müssen wir noch eine Todesanzeige aufgeben, wenn mal eins verreckt."
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Was um alles in der Welt ist da los, in Irmgarteichen?
Sind nun alle verrückt geworden? Der Veranstalter prahlte vergangenes
Jahr mit Besucherzahlen von etwa 10.000 Menschen. Und alle Besucher
nehmen dieses Leid in Kauf und lassen sich sogar zu unüberlegten
Käufen animieren? Volksbelustigung auf Tierqual und Tierleid
aufgebaut - haben Sie das nötig?
Unser dringender Aufruf lautet: Meiden Sie bitte diese Tierqualmärkte!
Wenn Sie Ihren Kindern Tiere zeigen möchten,
gehen Sie ins Tierheim und lassen sich dort beraten. Nehmen Sie
Abstand von solch tierverachtenden Veranstaltungen. Falls Sie doch
einmal auf einem solchen Markt landen, sprechen Sie den Veranstalter
an und machen Sie ihm klar, dass Sie nicht noch eimal kämen,
sollten wieder Tiere ausgestellt oder gehandelt werden.
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