Hintergrund

Eier

Am Anfang war das Huhn. Während die Haltungsformen für Haushühner sich extrem gewandelt haben, ist sich das Huhn bis heute treu geblieben. Hühner leben in kleineren Gruppen mit einem dominanten Hahn, mehreren Hennen und Jungtieren. Ein Gruppenrevier erstreckt sich meist 70 bis 100 Meter um den Schlafplatz. Den verlassen sie bei Sonnenaufgang und begeben sich auf die Suche nach Samen, Keimlingen, Früchten, Beeren, Insekten und Würmern. Dazu kratzen und scharren sie im Boden. Um die Mittagszeit kehren die Hühner zurück um sich zu ruhen und zu putzen. Nachmittags unterbrechen sie die Futtersuche nur kurz für ein Sonnenbad oder die Gefiederpflege. Das Staubbad ist dazu ausgesprochen wichtig. Kurz vor Eintritt der Dämmerung begeben sich die Hühner wieder zu ihren Schlafplätzen. Sie übernachten gern auf hohen Plätzen. In der freien Natur sogar auf Ästen in mehreren Metern Höhe (Details zur Geschichte des Huhns).

Hühner in Bodenhaltung

Warum das "Frühstücksei" eine Familientragödie ist

Grundsätzlich gilt, dass wir keine Eier für eine gesunde Ernährung und schon gar nicht zum Überleben brauchen. Während unsere hominiden Vorfahren gelegentlich ein Vogelei aßen, konsumiert der moderne Mensch so viele Eier, dass allein in Deutschland jährlich ca. 45 Millionen Tiere zur ständigen Eiablage gehalten werden. Fast keinem dieser Tiere wird annähernd die Gelegenheit gegeben, seine natürlichen Verhaltensweisen auszuleben.

Genau so wenig wie Schnitzel auf Bäumen wachsen, legen Hühner freiwillig Eier für unsere Ernährung. In der Natur legt ein Huhn etwa fünf bis sechs befruchtete Eier im Jahr (bei gutem Futterangebot im Revier kommt auch schon mal ein zweites Gelege vor), um sich zu vermehren. Die sechs bis acht Eier in einem Nest können aber auch von unterschiedlichen Hennen stammen. Das Nest wird stets an einem geschützten und gut versteckten Ort gebaut. Wird ihnen ein Teil ihres Geleges geraubt, z.B. durch Fressfeinde, ersetzt die Henne das Ei. Genau dieser Effekt wird in der Hühnerhaltung ausgenutzt, indem durch den Menschen täglich Nestraub begangen wird. Der Legeprozess ist im Übrigen nicht immer schmerzfrei und erfolgt normalerweise im Stehen.


Hühner in Legebatterie

Was so ein Eierdiebstahl für eine Henne bedeutet, erkennt man, wenn man die Familienbeziehung der Hühner genauer betrachtet: In der Natur würde die Henne ihr Gelege ca. 20 Tage lang bebrüten und das Nest nur für kurze Zeit verlassen. In regelmäßigen Abständen wendet sie die Eier. Dieser Wenderhythmus beeinflusst den späteren Aktivitätsrhythmus der Küken. In den letzten Tagen, bevor ihre Kinder schlüpfen, nehmen die Küken untereinander und mit ihrer Mutter stimmlichen Kontakt auf. 10 bis 14 Wochen lang führt, wärmt und beschützt die Henne ihre Küken.


Vor ein paar Jahrzehnten lag die Legeleistung der Zuchthennen noch bei ca. 120 Eiern im Jahr. Heute sind es je nach Haltungsart 250 bis 300 Eier im Jahr. Wie eingangs erwähnt, haben sich Verhalten und Bedürfnisse der Hühner trotz Domestikation nicht wesentlich verändert. Durch die Qualzucht sind die Hennen also gezwungen jeden Tag ein Ei zu legen. Die Eier rollen auf Fließbändern davon oder werden eingesammelt. Ihre Kinder kommen in Brutkästen zur Welt, männliche Küken werden schon einen Tag nach dem Schlüpfen getötet, ihre weiblichen Geschwister wachsen in Aufzuchtsfarmen ihrem Dasein als Legemaschine und ihrem Ende als Suppenhuhn entgegen.


Der Leidensweg vom Ei bis zum Ei

Spätestens einen Tag nach dem Schlüpfen in den Brutanlagen werden die Küken auf ein Fließband gesetzt und nach Geschlecht sortiert. Diesen Vorgang nennt man "sexen". Männliche Tiere sind naturgemäß nicht zum Eierlegen zu gebrauchen und würden als Masthähnchen nicht schnell genug Fleisch ansetzen, wie ihre extra dafür gezüchteten Artgenossen. Am Ende des Fließbandes befindet sich ein Trichter, der die männlichen Küken in einen Apparat leitet...

Küken in Frauenhand

"der mit schnell rotierenden, mechanisch angetriebenen Messern oder Schaumstoffnoppen ausgestattet ist. Die Maschinenleistung muss ausreichen, um eine große Zahl von Tieren unverzüglich zu töten."

... heißt es im Gesetzestext - Anhang G der EU-Richtlinie 93/119/EG. Etwa 45 Millionen männliche Küken werden so jedes Jahr bei lebendigem Leibe zerquetscht, zerschreddert und auch vergast! Sie enden als Hunde- und Katzenfutter, Tiermehl, Dünger auf dem Acker, oder schlicht in der Mülltonne.


Küken im Aufzuchtkäfig

Die weiblichen Hühner dagegen wandern in die Aufzuchtsanlagen, wo sie rund 20 Wochen bei Dämmerlicht in Käfigen oder zu tausenden in riesigen Hallen gehalten werden. Lange nicht alle Hennen überleben diese Strapazen. Einige werden auch getötet, weil sie sich nicht zu profitabeln Legehennen entwickeln. Der Großteil aller "Lege-Hühner", auch für die alternativen Haltungsformen, stammen aus solcher Zucht!

Durch die physiologische Manipulation in der Zucht sind die Hühner gezwungen alle 24 bis 30 Stunden ein Ei zu legen. Die gesundheitlichen Folgen sind verheerend. Die für den Aufbau der Eierschalen notwendige Menge an Calcium ist über das Futter kaum zu decken. Deshalb entzieht der Körper den Knochen dieses Mineral, was zu Knochenbrüchen, Osteoporose und Knochenverformungen führt. Manchmal leiden die Tiere auch unter entzündeten Kloaken. Die Eier werden auch zur industriellen Weiterverarbeitung in Form von Voll-, Flüssig-, Trockenei, Ei-Eiweiß (Eiklar), Eigelb (Dotter), Ei-Albumin und Lecithin genutzt.



Huhn bei der Ankunft in der Legebatterie


Nummerierte Tierqual - Der Erzeugercode und was sich dahinter verbirgt

Am auf dem Ei aufgedruckten Erzeugercode kennzeichnet die erste Ziffer die Haltungsform, aus der das Ei stammt:

Ziffer 3 - Legebatterie: Die Hennen leben dicht gedrängt in kleinen Drahtkäfigen auf Gitterrosten. Durch die Enge leiden die Tiere unter erheblichem Stress; gegenseitiges Picken und Kannibalismus sind die Folge. Die Hennen werden mit einem Spezialfutter gefüttert, damit sie die abnorme Legeleistung bringen können; dazu kommen Antibiotika, Pestizide gegen den Fliegenbefall und synthetischer Farbstoff, um einen dunkleren Farbton des Eigelbs zu erzielen. Bei solchen Haltungsbedingungen sterben in einer durchschnittlichen Legebatterie von 80.000 Hühnern etwa 20 am Tag.

Ziffer 2 - Bodenhaltung / Volierenhaltung: Bei der Bodenhaltung leben meist sieben Hennen auf einem Quadratmeter in großen Hallen. Die Tiere sind durch zu viele Artgenossen völlig überfordert; Federpicken, Kannibalismus und andere Verhaltensstörungen sind an der Tagesordnung. Durch das Gedränge ausgelöster Stress ist häufige Todesursache für viele Hühner, die in der Bodenhaltung sterben. In der Volierenhaltung stehen den Hühnern übereinander angebrachte Ebenen zur Verfügung. Volierenhaltung ist eine Art "Bodenhaltung in mehreren Ebenen".

Hühner in Freilandhaltung

Ziffer 1 - Freilandhaltung: Den Hühnern steht tagsüber ein Auslauf ins Freie zur Verfügung (vier qm pro Huhn). Die Bedingungen im Stall entsprechen der Bodenhaltung, manchmal auch der Volierenhaltung. Es gibt immer mehr Großbetriebe mit bis zu 10.000 Tieren, was zu erheblichen sozialen Konflikten unter den Hennen führt.

Ziffer 0 - Ökologische Haltung: Im Stall werden noch bis zu 3.000 Hennen untergebracht (sechs Hennen auf einem qm). Neben Scharraum, Nestern und Sitzstangen steht den Hühnern ein Auslauf zur Verfügung (vier qm pro Henne). Gefüttert werden gentechnisch unveränderte Pflanzen aus ökologischem Anbau (Details zu den verschiedenen Haltungsformen).



Jetzt also Augen auf beim Eierkauf damit kein Ei aus Quälerei und schon gar kein Ei mit 3 im Einkaufskorb landet?

Alternative Haltungsformen verbessern die Lage der durch Qualzucht zu Legemaschinen verdammten Hühner nicht wesentlich. Auch für jedes dieser "glücklichen" Hühner stirbt zu Anfang ein männliches Tier; die Aufzucht erfolgt für alle Haltungsformen gleich tierquälerisch. Da Hühner nicht freiwillig ihre Eier hergeben würden, kommen auch psychische Belastung hinzu, unter der die Tiere durch den Eierkonsum leiden.

Eier im Supermarkt

Hühner in Bodenhaltung

In allen Haltungsformen endet das Leben der Hühner ähnlich: Nimmt die Legeleistung nach ca. 15 bis 18 Monaten ab, werden die ausgemergelten Hühner geschlachtet. Dazu werden sie an den Füßen aufgehängt und durch ein "Strombad" gezogen, das sie betäuben soll. Allerdings klappt die Betäubung nicht immer und die Hühner erleben ihre Schlachtung bei vollem Bewusstsein. Sie werden zu Haustierfutter, Hühnersuppe und teilweise auch zu Futter für die Tiere in Pelztierfarmen verarbeitet. Unter normalen Umständen kann ein Huhn 20 Jahre und älter werden. Auch der Transport zum Schlachthof ist eine Qual für die Hennen. Rücksichtslos in enge Kisten gestopft, brechen sie sich die Beine oder ihnen wird die Hüfte ausgerenkt. Dazu kommen enormer Stress und Angst; bei längeren Transportwegen auch Hunger und Durst.

Eier sind zudem keineswegs förderlich für unsere Gesundheit. Derzeit wird der Cholesteringehalt eines Hühnereis mit 213 mg angeben. Eier führen häufig zu Lebensmittelvergiftungen durch Salmonellenbefall, die durch die grippeähnlichen Symptome häufig unbemerkt bleiben. Außerdem tragen Eier zu Fettleibigkeit und Herzkrankheiten bei. All dies sind gute Gründe um auf Eier zu verzichten. Alternativen, besonders zum Backen, gibt es genug. In Reformhäusern und Biomärkten gibt es Ei-Ersatz, Johannisbrotkernmehl und Tofu-Rührei zu kaufen. Pflanzliche Bindemittel eignen sich für nahezu alle Gerichte.


Allein in Deutschland sterben jährlich etwa 100 Millionen Tiere für die Eierproduktion: Als Eintagsküken vergast, als "Ausschuss" getötet, in der Haltung verendet oder als "verbrauchte Legehenne" geschlachtet. 100 Millionen sinnlos getötete, gequälte Tiere. Jedes gekaufte Ei, gleich in welcher Haltung es nun "produziert" wurde, tötet.

Küken eingeklemmt unter dem Käfigrand

Mehr zu diesem Thema:
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Die Geschichte des Huhns
Details zu den verschiedenen Haltungsformen bei Legehennen
Wie man auch ohne Eier satt und glücklich werden kann
Das V-Heft: Tierisch gut essen - 100% pflanzlich

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