Falsche Fundtiere

Anzeige führte zum Teilerfolg

Eigenen Hund als Fundtier abgegeben

Von den in den Tierheimen aufgenommen Fundtieren werden einige von ihren Besitzern wieder abgeholt, andere hingegen werden nicht vermisst und in ein neues Zuhause vermittelt. Bei diesen Tieren geht man davon aus, dass sie ausgesetzt wurden. Es gibt jedoch noch eine weitere Erklärung, warum einige Fundtiere von ihren Besitzern nicht vermisst werden: Die Besitzer selbst geben mitunter ihr eigenes Tier als angeblich aufgefundenes Tier im Tierheim ab. Es lässt sich nur spekulieren, warum dies immer wieder geschieht: Entweder dem Besitzer ist es peinlich, dass er sich von seinem Tier trennen will oder es ist dem Halter einfach zu mühselig Auskünfte über das Tier zu geben und die Formalitäten zu erledigen. Manchmal können sich die Halter auch nicht bis zur nächsten Öffnungszeit des Tierheims gedulden und erfinden daher die abenteuerlichsten Geschichten über den angeblichen Fund des Tieres, um es beim Bereitschaftsdienst des Tierheims "entsorgen" zu können. Das Problem ist, dass bei Fundtieren keinerlei Informationen über das Tier vorliegen (Alter, Krankheiten, mögliche Verhaltensauffälligkeiten, usw.), welche aber enorm wichtig für eine Vermittlung des Tieres sind. Die Tiere werden also nicht nur abgeschoben, man erschwert ihnen durch eine solche Vorgehensweise auch noch den Start in ein neues Leben.

Jürgen Foß, der den Bereitschaftsdienst im Tierheim Siegen seit 1994 begleitete, hat diese Fälle oftmals weiter verfolgt. Manchmal genügte ein Besuch bei den Nachbarn der angeblichen Finder um zu erfahren, dass das abgegebene Tier im Nachbarhaus gelebt hat; manchmal ist ein bisschen mehr notwendig um die wahren Hintergründe zu erfahren.

So geschehen im Februar 2003: Außerhalb der Öffnungszeiten des Tierheims fährt ein Golf beim Tierheim vor. Der Fahrer steigt aus und klingelt am Tierheimtor: "Ich habe einen Hund gefunden; der war vor 2 Wochen (!) bei uns im Ort angebunden", heißt es kurz und knapp. Der Fahrer geht zurück zum Auto, zerrt völlig genervt einen jungen Mischlingsrüden heraus, und schreit ihn an, als dieser nicht schnell genug hinter den Rücksitzen hervorkommt. Zuerst muss einmal dem Hund geholfen werden und Jürgen Foß bringt den jungen Rüden im Tierheim unter, gleichwohl ihm die Geschichte des vermeintlichen Finders suspekt vorkommt. Darauf angesprochen empört sich der "Finder" und der Fortgang der Unterhaltung war alles andere als angenehm.

Pünkchten, der "falsche" Findling

Einige Tage später meldete sich eine Frau telefonisch beim Bereitschaftsdienst um zu erfragen, wie es dem Hund des Schwiegersohnes ginge, den er im Tierheim abgegeben hätte. Es war aber unter dem von der Anruferin angegebenem Namen kein Hund abgegeben worden; die restlichen Daten deckten sich allerdings mit gerade beschriebenem Vorfall. Der "Finder" hatte also nicht nur den eigenen Hund als Fundhund abgegeben, sondern auch einen falschen Namen und falsche Anschrift hinterlassen. Da er sich seinerzeit nicht ausweisen konnte, notierte Jürgen Foß das Kennzeichen des Fahrzeugs. Mit diesen Angaben erstatte er Anzeige.

Am 30. Januar 2004 kam es dann zur Verhandlung, zu welcher auch Jürgen Foß als Zeuge geladen war. Zu einem Urteil kam es aber nicht: Gemäß §153a der Strafprozessordnung wurde das Verfahren mit der Auflage eingestellt, dass der Beklage 150 € spenden solle; Jürgen Foß gab die Bankverbindung des Tierschutzvereins Siegen an. Man kann sich die Frage stellen, ob man bei solch vergleichbar geringer Ahndung diesen Fällen überhaupt nachgehen sollte. Wir halten es trotz allem für sinnvoll: Den Menschen muss klar werden, welche Verantwortung übernommen wird, wenn man ein Haustier bei sich aufnimmt. Es kann nicht zuviel verlangt sein, dass derjenige, der sich von seinem tierischen Begleiter (warum auch immer) trennen möchte, offen und ehrlich die Probleme im Tierheim schildert und alles versucht, um dem Tier zumindest alle Chancen auf ein neues Zuhause zu ermöglichen. In vorliegendem Fall wird sich der Betroffene demnächst zweimal überlegen, ob er sich noch einmal ein Haustier anschafft. Außerdem werden mit den 150 € für den Tierschutzverein Siegen die für den netten Rüden namens "Pünktchen" entstandenen Kosten wenigstens teilweise ausgeglichen.

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